Boris von Brauchitsch

Lesser Ury

Leichte Fieberanfälle. Dauerregen. 

»Wollen ist Leben. Können ist Tod.« (Lesser Ury)

Lesser Ury (1861-1931), der deutsch-jüdische Maler und Gegenspieler Max Liebermanns, bezog seine Inspirationen direkt aus den Kulturmetropolen Brüssel und Paris. An Italien dagegen schätzte er lediglich die Landschaft und verteufelte die alten Meister. Als erster wirklicher Impressionist in Deutschland wurde Ury mit Bildern des nächtlichen Berlins berühmt. Seine Ansichten europäischer Städte, Landschaften und Kaffeehausszenen gehören zum Besten, was die deutsche Kunst um 1900 zu bieten hat. Und auch die religiösen Werke, seinerzeit heftig umstritten, erscheinen heute in neuem Licht. Dennoch steht das späte Ehrenmitglied der Berliner Secession noch immer irgendwo im Halbdunkel hinter Beckmann und Corinth, Munch und Liebermann. Das liegt auch daran, dass Ury sich durch sein nicht ganz unberechtigtes Misstrauen und seine Verschrobenheit selbst im Weg stand. Dennoch, oder gerade deshalb besaß er eine außergewöhnliche Sensibilität, ebenso für Naturidyllen wie für Großstadtexzesse. Beides gerinnt zu Bildern von Wasser und Licht in intensivster Farbigkeit. Rund um sein Atelier am Berliner Nollendorfplatz entfaltete sich das neue Berlin, und Lesser Ury wurde einer der wichtigsten Chronisten der aufstrebenden Metropole. 

»Auf knapp 120 Seiten zeichnet der Autor die Lehr- und Reisejahre des Künstlers, sein inneres Ringen mit dem eigenen Schaffen und das nach außen getragene Antrotzen gegen die ihm wenig freundlich gesinnte Künstlergemeinde nach. Dabei kann Brauchitsch mit fundierter Kenntnis der Quellenlage und umfassendem Hintergrundwissen glänzen, das er im Textfluss immer wieder durch eingeschobene Anekdoten aufzulockern zu verstehen weiß. Übersichtlich in Lebensabschnitte und Schaffensperioden eingeteilt und mit zahlreichen Illustrationen angereichtert, ist die Biografie „Lesser Ury. Leichte Fieberanfälle. Dauerregen“ auch für fachfremde Leser höchst lesenswerte unterhaltsame Bildungslektüre, ohne jedoch belehrend zu sein.«                         - Mirjam Kappes auf Kulturport, 9. August 2013

Edition Braus, Berlin 2013     ISBN 978-3-86228-052-0

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