Boris von Brauchitsch

In El Pajar stand mal eine Freiheitsstatue auf einem Schrottplatz, nur grob aus Resten zusammengeschweißt, aber für mich das Wahrzeichen des Ortes. Sie und der Schrottplatz sind vor ein paar Jahren der Erschließung des Geländes gewichen. Eine neue Wohnsiedlung sollte entstehen, Straßen wurden gebaut, Laternen aufgestellt. Weiter ist man nicht gekommen, und als mit dem Bau begonnen wurde, war auch bereits klar, dass man nicht weiter kommen würde, denn eine Immobilienkrise hatte längst ihre Schatten auch auf El Pajar geworfen. Doch es gab sicher Gelder, die noch verbaut werden mussten, bevor man alles dem Verfall überlassen konnte. 

In El Pajar steht auch ein Zementwerk, weithin sichtbar und so staubig, dass es manchmal wie in feinen Dunst getaucht daliegt, obwohl der Himmel über der Bucht tiefblau ist und die Sonne auf den Strand herab brennt. Kräne rotieren langsam, Schiffe legen an, Laster kommen und fahren wieder, der Pförtner winkt manchmal. Vor dem beliebten Fischlokal direkt neben dem Fabriktor warten einheimische Gäste auf einen Tisch und vor der Schule Mütter in Autos auf das Schulende, wenn sich die Kinder hellstimmig auf den Betonvorplatz ergießen, um eingesammelt zu werden. Der feine Staub ist nicht immer zu spüren, aber er ist gegenwärtig und legt sich auf Möbel und Lungen. Da ist es für die Menschen von El Pajar das mindeste, für den Schutz ihrer Autos zu sorgen. 

El Pajar

2006

4 / 7