Boris von Brauchitsch

Licht, Luft und Luxus

Die alten Mietshäuser West-Berlins waren vielen in der Nachkriegszeit ein Dorn im Auge. Die Bauwirtschaft erhoffe sich durch ihre Beseitigung Aufträge, die junge Bundesrepublik wünschte sich eine moderne Architektur, die den Wohlstand und die Überlegenheit des Westens manifestierte, und den Sozialdemokraten erschienen die maroden Altbauten als Symbole für die lebensunwürdige Kasernierung der Arbeiterschaft. So kündigte Berlins regierender Bürgermeister Willy Brandt 1963 eine Stadtsanierung an, die West-Berlin noch einmal ein neues Gesicht geben sollte. 56.000 Wohnungen wurden zunächst zum Abriss freigegeben und bald schon entstanden Neubauten mit Bad und Zentralheizung, mit Fenstern, die schlossen und Küchen ohne Schimmelpilz. Diese Stadterneuerung hat der Fotograf Heinrich Kuhn über Jahre begleitet. Er war zunächst unterwegs, um in Schwarz-Weiß den Zustand der Altbauten in den Sanierungsgebieten zu dokumentieren, bevor sie auf immer verschwinden würden, dann dokumentierte er die Sprengungen und die Baustellen und feierte schließlich in Farbe die neu erstandenen Hochhaussiedlungen, die ein besseres weil komfortableres Leben versprachen. Diese faszinierende Langzeitstudie ist ein einzigartiges Dokument und erzählt von Utopien und Ideologien ebenso wie von Wirtschaftsinteressen und Spekulation.

"Boris von Brauchitsch guckt mit einem speziellen Blick auf die Stadtgeschichte und schärft den Fokus auf die Probleme die hinter den Bildern liegen, den Prozess der Stadtentwicklung und Erneuerung mit allen Themen, die uns bis heute in Berlin beschäftigen."
- Danuta Görnandt in Kultur Radio rbb, 16. Mai 2917

Bebra Verlag, Berlin - ISBN 978-3-8148-0223-7

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