Boris von Brauchitsch

Unter Dampf. Historische Fotografien von Berliner Fern- und Regionalbahnhöfen

Der Weg Berlins zur Weltstadt und von der Weltstadt zum urbanen Provisorium lässt sich nirgendwo besser ablesen als an der Geschichte seiner Bahnhöfe. Als ab September 1838 schrittweise die ersten Bahnstrecken in Betrieb genommen wurden, waren die Bahnhofsgebäude noch bescheiden pragmatisch, nahmen aber bald schon repräsentative Funktionen ein. Sie verkörperten, gleichsam modernen Stadttoren, den Fortschritt der Technik und die Freiheit des Reisens. Es gab keinen Gesamtberliner Bahnhof, vielmehr stand für die Reise in jede Himmelsrichtung mindestens ein Bahnhof zur Verfügung. Von der Pracht der vielen Berliner Bahnhofsbauten ist heute nicht viel erhalten. Dieser Bildband erzählt anhand historischer Fotografien die Geschichte der Berliner Fern- und Regionalbahnhöfe – und damit ein Stück Stadtgeschichte.

Edition Braus, 2018     ISBN 9783862281756

"Der Herausgeber Boris von Brauchitsch konnte ganz offensichtlich ins Volle greifen und hatte eine tolle Auswahl historischer Fotos zur Verfügung. Insofern kann man das Buch kulturgeschichtlich lesen und betrachten. Da wird deutlich, welche Rolle das Reisen mit der Bahn im Laufe der Jahrzehnte gespielt hat. Natürlich ist es auch ein Buch zur Architekturgeschichte der Bahnhöfe. Das ist insofern hoch interessant, weil es viele der beschriebenen und gezeigten Bahnhöfe gar nicht mehr gibt. (...) Wer möchte, kann anhand dieses wunderbaren Buches zur Geschichte der Bahnhöfe sehr schön nachvollziehen, wie Berlins Aufstieg zur Weltstadt begann – und was bis zur Wiedervereinigung daraus wurde."

Danuta Görnandt, in: Kulturradio, 17. April 2018

"Ein Fotoband zeigt Glanz und Niedergang von Berliner Fern- und Regionalbahnhöfen. Die kaum bekannten Aufnahmen spiegeln eindrucksvoll die Geschichte der Stadt wider.

Was für Prachtbauten! Und was für ein Elend! Berlins Bahnhöfe waren meist immer mehr als nur ein Haltepunkt. Im 19. Jahrhundert entstanden Paläste, ja, so mancher Zeitgenosse schwärmte sogar von Schlössern. Nach dem Krieg war es damit vorbei; vor allem die Kopfbahnhöfe, in denen die Züge ihre Fahrten begannen oder beendeten, waren zerstört; an einen Wiederaufbau dachte man nicht. Dummerweise lagen sie fast alle auf West-Berliner Gebiet, um das die Reichsbahn der DDR einen weiten Bogen machte. Ohne große Proteste wurden die Ruinen in den 1950er Jahren platt gemacht. So wehte der Zeitgeist.

Brauchitsch zeigt von den meisten Bahnhöfen deren Glanzzeiten, den Alltag der Fahrgäste, den Betrieb mit Dampflokomotiven – und dann die zerstörten Bauten. Ein Kontrast, der die Geschichte der Stadt widerspiegelt. Nicht nur aus der Sicht von Eisenbahnliebhabern."

Klaus Kurpjuweit in: Tagesspiegel, 12. April 2018

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