Boris von Brauchitsch

Herbert List

„List ist ein Mann der Betrachtung, der sich das Privileg geschaffen hat, die Dinge seines Umgangs auszuwählen, kein Mann der Aktion. Das potentielle Odium, das einer solchen Feststellung anhaftet – ‚elitär‘ sagen die einen, ‚parasitär‘ die anderen – nehme er mit der ihm eigenen Gelassenheit hin“, schrieb Wolfgang Hildesheimer über den Fotografen, in dessen facettenreichem Werk die Pittura Metafisica ebenso Anklang finden konnte, wie später der Neorealismus.

Manchen hat er mit seiner Kompromisslosigkeit an den Rand der Verzweiflung gebracht, wie die Agentur Black Star, die ab 1938 mit wenig Erfolg seine Fotografien vertrieb: „Ich komme mir bei Ihren Bildern ein wenig so vor“, schrieb ihm der Agent, „als wenn ich mich anheischig machen wollte, lyrische Gedichte zu verkaufen, etwas, was auch beinahe unmöglich ist.“

Rückblickend auf sein Leben formulierte List Zeilen, die wie eine späte Replik auf diese Ratlosigkeit klingen, aber die Wertschätzung des eigenen Werkes und zugleich das Desinteresse an ökonomischen Erwägungen manifestieren: „In allem was ich tue, bin ich Amateur. Daher versuche ich weniger, die Forderungen anderer zu erfüllen als jene, die ich an mich selber stelle.“

Herausgegeben von Dario Cimorelli und Alessandra Olivari in Zusammenarbeit mit Peer-Olaf Richter, Silvana Editoriale, Cinisello Balsamo (Milano) 2014

Text von Boris von Brauchitsch (italienisch/englisch/französisch)

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