Boris von Brauchitsch

Phantomparadies

Die Freundschaft zwischen Hervé Guibert und Hans Georg Berger währte dreizehn Jahre, von 1978 bis zu Guiberts Tod 1991. Berger war Intendant des Münchener Theaterfestivals, als der 22jährige französische Schriftsteller als Korrespondent von Le Monde erstmals in seinem Büro stand. Von Beginn an war die Beziehung eine spannungsvolle und intensive und bereits im Jahr darauf war Guibert Gast Bergers auf Elba, jener Insel, die als Bezugspunkt und Inspirationsquelle für Guibert so wichtig werden sollte. 

Hans Georg Berger, so schrieb Guibert später,  „ist der Dombaumeister dieses wundersamen Ortes, an dem ich mich so wohl fühle, wo alles Schönheit ist, wo die Ankunft glücklicher ist als die Erleichterung des Fortgehens, und wo ich die meisten meiner Bücher geschrieben habe, er ist sein Erfinder und er ist sein Meister, was bisweilen einige Probleme aufwirft, Reibungen von Autorität und Auflehnung gegen diese Autorität. Doch zugleich ist er der Schöpfer dieses wundersamen Ortes, und großzügig hat er mich ihn mir aneignen lassen.“

Doch auch jenseits von Elba, ob auf Reisen nach Arles und Budapest, Sevilla und Ägypten oder in Bergers Münchener Domizil, ob in Paris oder in der Villa Massimo, Hans Georg Berger und Hervé Guibert pflegten ihren Dialog, der stets emotional, intellektuell und visuell zugleich war. Zeugnis dieses Austauschs sind die zahlreichen Porträts, die Berger von Guibert gemacht hat und die auf intime Weise das „community involvement“ vorwegnehmen, das Berger in seinen späteren Serien als Methode etablierte: Das Bild als Produkt einer intensiven Verständigung, als Resultat eines gegenseitigen Verstehens.

Un amour photographique, Le Quai, Paris (französisch)

Phantom Paradise, Serindia, Chicago (englisch)

Phantomparadies, Edition Salzgeber, Berlin (deutsch)

Zurück zur Übersicht