Boris von Brauchitsch

1998
G.F. Ris. Paysages
Kunstverein Schloß Morsbroich, Leverkusen

G.F. Ris hat in seinem Spätewerk Plastiken der Stille geschaffen. Auf engstem Raum behauptet sich sein Kosmos, selbstbewusst und monumental, bestimmt von wenigen Kraftlinien. Der Horizontalen, auf der wir stehen, und der Vertikalen, die Höhen und Tiefen auslotet.

Jede Abweichung von dieser strengen Norm bedeutet Leben - nicht willkürliche Existenz, sondern reflektiertes Sein. So jedenfalls versteht sich das Werk von G.F. Ris. Das beliebige ist dem Künstler verhasst, das Allgemeingültige erfüllt ihn mit Misstrauen. Vorbehalte gegenüber der Abstraktion sind ihm geläufig, ihr oft überheblicher Anspruch auf Universalität und ihr fataler Hang zum formelhaft Dekorativen sind ihm bekannt. Im Bewusstsein dieser Gefahren hat er sich zum wachen und kritischen Beobachter seines eigenen Werkes entwickelt.

Sind Selbstzweifel die Bedingung für konstante Präzision, dann ist Ris ein präziser Zweifler, ist gedankliche Konsequenz die Voraussetzung für formale Strenge, dann ist Ris ein konsequenter Formalist, ist kreative Eigenwilligkeit ein Zeichen für Qualität, dann ist Ris ein radikaler Künstler.

 

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