Boris von Brauchitsch

Ernst. Institut für Universalkultur
IV. Pia Scheiner: BO, ab September 2020

Arbeit an optimierten Daseinsformen verfolgt in der Regel das Ziel einer rationalen Maximierung. Hier tüftelt einer an algorithmischer Traumdeutung, dort philosophiert jemand über den bevorstehenden Sklavenaufstand der Roboter, andere basteln an ethischen Kategorien für künstliche Intelligenz. Das ist alles schön und manches gut. Doch bei all dem Manchen wird vergessen, dass es die einfachen Dinge sind, die das Leben am angenehmsten machen.

Pia Scheiner hat, um das in Erinnerung zu rufen, ihre PS-Collection entwickelt und stellt nun BO vor. Mit diesem fluiden Körper als Objekt einer diffusen Lebenshilfe strebt sie eine anti-rationale Sebstoptimierung an, die ganz neue epistemologische Quellen anzuzapfen versteht. Die Rede ist hierbei nicht von alternativen Fakten, sondern von faktischen Alternativen, die uns aus der realen Welt des Internets in die romantische Welt der Gegenstände entführt. BO ist die Einladung zur Reise in eine Parallelwelt, die manchem anachronistisch erscheinen mag, die aber mit Sinneswahrnehmungen aufwarten kann, die von Dingen erzeugt werden.
BO ist ein solches Ding – gleichermaßen mit Händen greifbar und präsent im Open Space des eigenen Kopfes. Mit BO läßt sich ein Problem lösen, Energie freisetzen, Distanz erzeugen. BO ist keine Medizin, keine Waffe, keine Ideologie. BO ist ein hochwirksames Placebo zur Erzeugung von Gelassenheit.
Bekanntlich ist das Göttliche rational nicht fassbar. Es wäre nun zu fragen, ob der Umkehrschluss ebenfalls zulässig ist: Ist das rational Unfassbare göttlich? Dann, soviel ist sicher, hätten wir es bei BO mit einer Materialisation des Göttlichen zu tun.

Vorübergehend ab 11. September 2020 und auf unbestimmte Zeit präsent ist BO nun im Institut für Universalkultur ERNST.

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